Schluss mit Dämon(s)kratie!

In diesem Artikel soll eine fundamentale Systemkritik vorgestellt werden, die unser aktuelles Herrschaftssystem als “Dämon(s)kratie” beschreibt und final mehrere Definitionen für diese neue Systembezeichnung liefert.

Dass wir aktuell keine echte Demokratie, sondern eine “Dämon(s)kratie” haben, kann anhand von mindestens 4 Eckpfeilern begründet werden:

  1. Aktuelles Politsystem in Form von Mehrheitsentscheiden beruht primär auf Ideologie(n) und psychologischen Mechanismen der Massenmanipulation sowie der Messung des Manipulationserfolgs anstatt von Wählerwille und Gemeinwohl und ist im Design mit psychologischen Konformitätsexperimenten zu Gruppenzwang und Gehorsam nach Asch (1951) und Milgram (1961) vergleichbar.
  2. Verweis auf einen inherenten Homunkulus (Scheinerklärung, Erklärungslücke) in gegenwärtiger repräsentativer und direkter Demokratietheorie und -praxis, wenn es darum geht, zu beschreiben und zu erklären, wie eine a priori vorausgesetzte freie, gewissenhafte und werteorientierte Willensbildung, psychologisch gesehen, konkret funktioniert, also ohne Rückgriff auf einen Dämon, Gott oder Homunkulus. Dem entspechend fehlen Strukturen für eine gewissenhafte & nachvollziehbare, kollektive Willensbildung und intelligentes Problemlösen.
  3. Unzureichende Trennung von Staat und Kirche, da trotz wissenschaftlichem Fortschritt das inszenzierte Schwören auf Gott (z.B. durch BundeskanzlerIn) immer noch die Messung von Vernunft und Gemeinwohl (also einen systematischen, transparenten Realitätsabgleich nebst Grundrechtsechtzeitkontrolle) ersetzt, wodurch geistige Korruption, Werteverfall und Fremdsteuerung eher die Regel sind.
  4. (Verweis auf LaPlace’schen Dämon, der in Physik und Mathematik den Übergang von der Sichtweise eines, von einem personifizierten Gott gesteuerten, mechanistischen Uhrwerk-Universums hin zur Theorie nichtlinearer, komplexer Systeme markiert.)

Thesen und Erklärungen zum Begriff der Dämon(s)kratie als fundamentale Kritik am herrschenden Politsystem und bestehenden Demokratiekonzeptionen:

zu 1.: Diskussionen und Entscheidungen anhand Mehrheitsprinzip ohne F!xMyRepublic unterliegen einer ideologischen Verkürzung und Pseudomodellierung gewissenhafter Willensbildung, dem Risiko einer ganzen Reihe von psychologischen Fremdsteuerungsmechanismen und messen nicht wie behauptet, was der Wähler will, sondern wie gut die Massenmanipulation funktioniert hat.

1.1 Eine echte wissenschaftliche (Demokratie-) Theorie und Praxis beruht darauf, dass die zentralen Bestimmungsstücke, wie Wählerwille, Vernunft, Gemeinwohl, Leistung, Eignung und Repräsentativität politischen Handelns konkret definiert, gemessen und überprüft werden. Die vorliegende Systemkritik postuliert dabei, dass es sich bei der Gesamtheit aktuell vorliegender Demokratietheorien nicht um wissenschaftliche Theorien im engeren Sinne, sondern um Ideologien und eine unzureichend empirisch fundierte Demokratiepraxis handelt, in denen der Mensch (als Humankapital) fortwährender Spekulation und Manipulation ausgesetzt und unterworfen ist. Um dies zu verdeutlichen, hier ein kleines Gedankenexperiment: Aktuelle Mehrheitsentscheide ohne vorauslaufende qualitätsorientierte, partizipative Entscheidungsfindung sind vergleichbar mit einer quasi sehr veralteten Kamera, die qualitätsunspezifisch nur komplett weisse oder schwarze Bilder (als Analogie zu einzelnen Stimmen) macht, z.B. von einem natürlichen, vielfältigen Motiv wie dem Baum der (Selbst-)Erkenntnis. Die Einzelbilder vom Baum der (Selbst-)Erkenntnis sind dabei je nach Lichteinfall (als Analogie für Propaganda oder Marketingstrategien) entweder absolut weiss oder absolut schwarz und werden anschließend übereinandergelegt bzw. aufsummiert. Jedes einzelne Bild ist dabei jedoch kein realitäts- bzw. vernunftsorientiertes Abbild vom Baum der (Selbst-)Erkenntnis, sondern entspricht der Abweichung von der Realität und der Vernunft und bildet den, durch den Lichteinfall hervorgerufenen, Manipulationseffekt einschließlich dem kameratechnischen Designfehler ab. Das heisst, die schwarzen und weissen Bilder messen in der Summe nicht den Wählerwille bzw. geben kein realitätsorientiertes Abbild vom Baum der (Selbst-)Erkenntnis wieder, sondern wie gut summa summarum die Massenmanipulation in die eine oder andere Richtung (schwarz oder weiss) funktioniert hat.

1.2 Qualitätsunspezifische Mehrheitsentscheide mit vorauslaufenden Meinungsumfragen rufen Gruppenzwang hervor und können als Konformitätsexperimente bezeichnet werden. Bereits 1951 hat ein Psychologe names Asch mit seinen Experimenten nachweisen können, dass Menschen in erschreckender Vielzahl sogar dann die Meinung einer Mehrheit annehmen, wenn diese Meinung offensichtlich falsch ist, also nicht der objektiven Faktenlage entspricht. Dieses Problem betrifft dabei nicht nur den Wähler, sondern auch Politiker und Repräsentanten. Mehrheitsentscheide sind vergleichbar mit Asch-Konformitätsexperimenten und beruhen in einer Vielzahl von Fällen auf dem Mechanismus, dass Menschen unabhängig von der objektiven Realität konformistisch die Option wählen, die eine Mehrheit hat. Im Vorfeld von Wahlen werden dabei zu Hauf immer wieder medial die Ergebnisse entsprechender Mehrheitsumfragen veröffentlicht, was nach den Erkenntnissen aus den Asch-Konformitätsexperimenten die entsprechende Massenmanipulation vor Wahlen stetig hervorruft und verstärkt. Aus Erfahrung wissen wir zudem, dass in der Regel die Partei mit dem größten Wahlbudget den größten Manipulationserfolg hat. Wahlen werden also hauptsächlich durch manipulative Marketingstrategien, die Höhe der Wahlkampfbudgets und vorauslaufende Verkündungen von Mehrheitsergebnissen bestimmt, die vermutlich ähnlich wirken, wie die erwähnten Asch-Konformitätsexperimente von 1951. Politiker unterliegen zudem meist weiteren Konformitäts- oder Gruppenzwängen, z.B. Fraktionszwang oder Belohnungssystemen von Lobbyisten und Konzernen. Je stärker dabei die Hierarchien und Privilegien und der Konformitätsdruck zur Entscheidung über Recht und Unrecht bei Mitgliedern einer elitären, politischen Klasse liegen, desto eher kommen diese in die Situation, dass tägliche politische Entscheidungszenarien das Unterlaufen des Rechtsstaates, den Beschluss von Waffenhandel an totalitäre Regime oder die grobe Aushebelung von Grund- und Bürgerrechten bis übermäßige Gewalt z.B. gegen Demonstranten nahelegen oder zu gebieten scheinen. Dabei konnte Milgram schon 1961 nachweisen, dass in einem solchen Versuchsdesign bis zu 60% der Versuchspersonen anderen tödliche Elektroschocks verteilen würden. Das wohl bekannteste Beispiel für die hier angesprochenen Mechanismen der Massenmanipulation ist: “Wollt ihr den totalen Krieg?” (ja/nein).

1.3 Bei Mehrheitsentscheiden werden durch die Entwe­der-oder-Logik, dem inherenten Kontrastprinzip und in Folge von Polarisierung künstlich Gegner oder Feinde oder in der Konsequenz der Entschei­dung, Gewinner und Verlierer erzeugt (Win-Lose-Spiel/Räuber-Beute-System). Dabei erscheint es beinahe normal, dass der Erfolg der einen Seite mit der Benachteiligung der Bedürfnisse und Menschenrechte der anderen Seite ver­bunden ist (Teile-und-Herrsche). Entsprechende Hinweise auf einen latenten Kriegszustand in unseren Köpfen finden sich auch in der Semantik der Begriffe zur Beschreibung dieser scheindemokratis­chen Prozesse, die uns oft als solche gar nicht mehr auffallen. Damit sind z.B. die Begriffe „Wahlkampf“, „Wahlsieger“, „Wahlniederlage“, „Kandidatenduelle“ etc. und die oft typi­sche monotone, polemische Frontbeschallung, die Sündenbock- und Kampf-Rhetorik (z.B. Todschlagargumente) gemeint. Auch die Entstehung von politischen Ideologien und von entgegen gesetzten bis zueinander feindlichen politischen Einstellungslagern, Interaktionsverhalten und dessen Gewaltschweregrade (bis Funktionaler Faschismus) kann damit erklärt werden, dass sich die qualitätsunspezifische Entweder-Oder-Logik des Mehrheitsprinzips auf die soziale Wahrnehmung, das Urteilen, Handeln und die Kommunikation zwischen und in Gruppen ungünstig auswirkt.

zu 2. + 3.: In unserem aktuellen Politsystem wird die Willensbildung über Hierarchien oder Autoritäten erklärt, die wiederum von übergeordneten Autoritäten, Institutionen und final Gott kontrolliert bzw. garantiert werden soll, ohne dass dafür konkrete, wissenschaftlich fundierte Strukturen und Prozesse für gewissenhafte Entscheidungen (zur genauen Messung für das, was für die Basis bzw. die Bürger wichtig, prägnant, passend & fortschrittlich ist) existieren.

2.1 Mit der Scheinwahl von Repräsentanten bzw. Autoritäten, also der Abgabe unserer Stimme in Form von qualitätsunspezifischen Mehrheitsentscheiden spekulieren und entscheiden diese VerTreter, Autoritäten sowie Technokraten in hierarchischen Gefügen fortan intransparent darüber, was für uns wichtig und passend ist, was wir brauchen, wollen, tun oder lassen sollen. Eine formale Messung und formale Simultankontrolle, was konkret Gemeinwohl ist und inwiefern die Entscheidungen dieser “Repräsentanten” mit unseren Werten bzw. Grund- und Menschenrechten vereinbar sind, fehlt dabei völlig. Im Zuge dieses Mangels an Transparenz und Echtzeitkontrolle über die Qualität der politischen Leistung hinsichtlich Gemeinwohl und Menschenrechten (z.B. via echtem Liquid Feedback) muss in Verfassung und Eiden “so wahr mir Gott helfe” (als Verlagerung des Problems auf eine oberste Autorität) als Garantie für gewissenhafte, menschenrechts- und gemeinwohlorientierte Entscheidungen herhalten. Dabei lernen Politiker und VerTreter jedoch nicht systematisch, was am Gemeinwohl und universellen Menschenrechten orientierte, ethisch vertretbare und intelligente Lösungen sind, sondern wie sie am besten schauspielen und simulieren, gute und gewissenhafte politische Leistungen für die Bürger erbracht zu haben. Man lernt also durch fehlende Messung von Vernunft, Gemeinwohl und Eignung nicht grundrechtsadäquate Politik, sondern eher Hilflosigkeit oder Psychopathie.

2.2. In der Philosophie und Psychologie werden Theorien zur Willensbildung, in denen die freie Willensbildung nicht transparent über Strukturen und Kriterien für gewissenhafte Entscheidungen bzw. das Gemeinwohl erklärt werden, und stattdessen Autoritäten, Männchen im Kopf oder Gott eine entsprechende Selbstregulation und Entscheidungsfindung erklären oder gewährleisten sollen, als Scheinerklärungen angesehen. In diesem Fall spricht man von einer Scheinerklärung der Willensbildung, die einen “Homunkulus” enthält, also der liebe Gott, eine x-beliebige Autorität oder ein Männchen im Kopf, der/die/das einem einflüstert, was man will oder nicht will. Derartige Scheinerklärungen für die individuelle und kollektive Willensbildung, die antiwissenschaftliche Verquickung von Staat und Kirche gilt es zu überwinden! Die moderne Willenspsychologie hat diese Scheinerklärungen zur Willensbildung zum Glück bereits überwunden. Nun gilt es, dass WIR diese Scheindemokratie und ihren inherenten Homunkulus als Einfallstor der geistigen und wirtschaftspolitischen Korruption endlich überwinden!

Schluss mit Dämon(s)kratie!

Zusammenfassung – 3 Definitionen für Dämon(s)kratie:

  1. Dämonskratie ist die Herrschaft und Entscheidungsfindung durch Massenmanipulation in Form von Asch-Konformitätsexperimenten, d.h.Mehrheitsentscheide mit Gruppen- oder Fraktionszwang und vorauslaufend manipulativen Meinungsumfragen, ohne dass freie, gewissenhafte Entscheidungen gewährleistet sind.
  2. Dämonkratie ist eine ideologiegeprägte Fremdherrschaft bzw. fremdgesteuerte Entscheidungsfindung, die ohne formale Echtzeitkontrolle (echtes Liquid Feedback) hinsichtlich Gemeinwohl bzw. Grund- und Menschenrechten durch Autoritäten erfolgt, die in ihrem Tun in Theorie und Praxis nicht durch transparente, psychologisch fundierte Strukturen und Kriterien zur gewissenhaften Entscheidungsfindung (bzgl. Priorität, Passung & Fortschritt) unterstützt und kontrolliert werden. Eine Rechenschaftspflicht in Bezug auf geistige Korruption liegt ggf. vor, jedoch ohne deren korrekte Messung und Kontrolle, wobei diese Systemlücke zum Eigennutz und Nachteil der Vielen täglich unterlaufen und missbraucht wird. Hierarchien und Elitäre verhindern dabei gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung und den notwendigen Fortschritt für echte Demokratie, in der Wählerwille, Gemeinwohl, Leistung, Eignung und das Ausmaß der Repräsentativität konkret gemessen und kontrolliert werden.
  3. Während in einer Dämon(s)kratie unter Rückgriff auf einen Homunkulus oder Gott gemessen wird, wie gut die Massenmanipulation funktioniert hat, wird in einer echten Demokratie anhand entsprechender Erhebungswerkzeuge, z.B. echtem Liquid Feedback konkret gemessen, was der Wähler will, wie gut jemand für ein Amt geeignet ist und in wie weit sich eine Idee/politische Leistung zur Lösung eines (wichtigen) Problems eignet und mit unseren Grundwerten bzw. universellen Menschenrechten übereinstimmt.
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3 thoughts on “Schluss mit Dämon(s)kratie!

  1. Hallo,
    erst einmal vielen Dank für diesen spannenden Text. Da ich die moderne Willenspsychologie nicht kenne, hätte ich eine mal eine Frage.
    In meiner Weltsicht veränderte sich das Bild der externen Autoritäten durch die Jahrtausende. Belebte Natur (Animismus), Geister und Ahnen, Vielgötterpantheon, monotheistischer Alleingott hin zum abstrakten Gesetz (Grundgesetz, Allgemeine Menschrechte). Nach dem Verschwinden der monotheistischen, spirituellen Autorität (ist leider immer noch weit verbreitet) erodiert zur Zeit extrem das von Menschen gemachte Gesetz und damit das Fundament unserer sozialen Ordnung (UN verhindert keine völkerechtswidrigen Kriege, Reiche sitzen kürzer im Knast, wenn überhaupt, usw). Jede der gerade beschriebenen Entwicklungsstufen führte zu mehr Differenzierung/Integration, zu mehr Organisation/Strukturierung, zu mehr relativer Autonomie und damit zu tieferer Selbsterkenntnis und zu umfangreicheren Handlungsmöglichkeiten. Jetzt die Frage: Gibt es in dem von Dir beschriebenen Kontext allein eine persönliche Willensbildung auf Grund “formaler Echtzeitkontrolle” (versus Manipulation durch Dämonskratie) oder existiert auch so etwas wie ein eigenes Gewissen (Mitgefühl, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Intuition usw.), denn es ist mir nicht klar, wie der “Wille der Basis und die Weisheit der Vielen” entsteht?
    Ich frage das, weil ich nicht weiss, ob eine Überwindung bestehender Strukturen sich nicht auch darin ausdrücken kann, dass jeder für seine Handlung die volle Eigenverantwortung übernimmt und allein sein Inneres die letztendliche Entscheidungsinstanz darstellt. Kein Götter, kein Gott, kein Gesetz.
    Liebe Grüße,
    Erich

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